Die Welt ein Stück besser machen – Teil II

Auf Wunsch der Leser gibt es heute einen zweiten Teil mit weiteren Tipps zu dem Thema, wie wir die Welt mit kleinen Dingen ein wenig besser gestalten können. Den ersten Teil könnt Ihr nochmal hier nachlesen.

Lasst uns starten:

  • Engagiert Euch!

Wer die Welt ein Stückchen besser machen möchte, der darf nicht warten, dass von alleine etwas passiert. Mittlerweile gibt es unzählige Gruppen, die auf Missstände aufmerksam machen und etwas ändern wollen. Das kann etwas mit Tieren oder der Umwelt zu tun haben, mit Politik oder gesellschaftlichen Problemen. Was beschäftigt Euch am meisten? Besucht doch einfach mal eine regionale Gruppe oder – für ganz Engagierte – organisiert selbst eine!

  • Regional kaufen – am Besten in Bioqualität

In kaum einem Supermarkt findet man noch Obst und Gemüse aus der Region. Spottbillige Produkte aus Spanien haben sich hier besonders etabliert – zu Lasten der Umwelt und der Gesundheit. Versucht regionale Produkte zu kaufen. In vielen Städten gibt es  noch Wochenmärkte oder Ähnliches, um vom Bauern aus der Gegend zu kaufen.

Alternativ kann man sich auch eine grüne Kiste bestellen. Das ist ein Angebot örtlicher Bauern, saisonales Obst und Gemüse direkt vom Feld zu Dir nach Hause zu liefern. Frischer geht es nicht!

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  • Wäsche waschen – bei 30 Grad und ohne Weichspüler

Mal ehrlich: die meiste Kleidung, die man in die Wäsche wirft, ist gar nicht richtig schmutzig, sondern einfach nur ein bis zwei Tage getragen. Diese Teile im Schnellwaschgang bei 30 Grad zu waschen, reicht vollkommen aus. Und Weichspüler braucht auch kein Mensch. In den meisten Waschmitteln ist nämlich schon ein Teil davon enthalten. Viele Modegeschäfte raten sogar dazu, Jeans ohne Weichspüler zu waschen, da diese Mittel die Elastan-Fäden zerstören und somit die Hose ausbeult. Lasst die zusätzliche Chemie einfach weg.

  • Bei tierischen Produkten auf Qualität achten

Qualität hat seinen Preis. Das weiß jeder, der wirklich mal ein gutes Stück Bio-Fleisch kaufen wollte. Zugegeben: die Zahl ist schon heftig, aber macht Euch bewusst, dass es sich hierbei schließlich auch um ein Lebewesen gehandelt hat. Eine Packung Hühnchen für 1,99 Euro möchte ich fast schon als Verbrechen bezeichnen. Esst lieber weniger, aber dafür gutes Fleisch. Das erkennt man im Übrigen am besten daran, dass es sich beim Zubereiten nicht zusammen zieht und wässert.

  • Tausch- oder Leihbörsen nutzen

Solche Plattformen gibt es heute zuhauf: für Kindersachen, Möbel, sogar für Autos oder Wohnungen. Man muss nicht alles besitzen, oder zumindest nicht alles neu kaufen. Vieles kann man sich leihen oder gegen Dinge eintauschen, die man selbst nicht mehr braucht. Mittlerweile gibt es sehr viele Menschen, die sich dem Konsumzwang verweigern.

  • Reparieren oder selber bauen

Unsere Omis und Opis wussten noch, wie man kaputte Dinge repariert oder gewisse Sachen selber baut. Klar, heute noch Socken zu stopfen, ist vermutlich etwas übertrieben, aber man muss nicht alles gleich weg werfen, wenn es eine kleine Macke hat oder nicht mehr gefällt. Oftmals kann man Sachen auch „pimpen“ oder ausbessern. Beispielsweise Möbelstücke mit einer schönen Folie zu bekleben oder zu lackieren hilft manchmal wahre Wunder – ohne neue Bäume fällen zu müssen.

  • Kinder müssen nicht so unheimlich teuer sein

Okay, ich habe noch kein Kind, aber manchmal falle ich echt vom Stuhl, was besorgten Eltern alles so Unnützes angeboten wird. Warum, in drei Teufels Namen, braucht man bitte ein Kapuzenhandtuch für ein Baby? Ich wüsste nicht, warum ein herkömmliches das Kind nicht auch trocken bekommen könnte. Oder warum kaufen sich Menschen Babyphone mit Videoübertragung? Das Kind schreit, also hat es irgend etwas – wieso soll ich mir das Gesicht dazu noch ansehen, bevor ich zu ihm oder ihr gehe? Auch Feuchttücher muss kein Mensch in Massen kaufen, es gibt da nämlich etwas, das sich Waschlappen nennt. Manchmal frage ich mich, wie wir nur damals groß geworden sind…

  • Minimalismus lernen – brauche ich das wirklich?

Jeder von uns kennt das: man sieht etwas und will es unbedingt kaufen. Manchmal wäre das aber gar nicht nötig gewesen. Gebt Euch daher ein paar Tage Zeit, um reiflich zu überlegen, ob Ihr dieses oder jenes wirklich haben müsst. Kleines Beispiel von meiner Seite: Dampfgaren ist bekanntlich das beste für unser Gemüse, um die Vitamine zu erhalten. Ich brauche dafür aber keinen Dampfgarer und auch keinen Einsatz. Ich hänge mir einfach mein Sieb in den Topf und habe das gleiche Ergebnis – und dabei Geld gespart.

  • Nutzt Glas statt Plastik

Plastikmüll ist ein sehr großes Problem für unsere Natur. Glücklicherweise gibt es mittlerweile Projekte von Menschen, die Häuser aus diesem Müll bauen. Aber auch für unsere Gesundheit ist es schädlich, da einige Substanzen der Verpackung auch in unsere Nahrung übergehen können. Besser ist es, wenn Ihr Wasser aus Glasflaschen trinkt (noch besser: aus der Leitung!) oder Joghurt in Glasbehältnissen kauft. Das ist in der Einkaufstüte zwar schwerer, hilft aber der Umwelt.

  • Müllfreie und kostenschonende Damenhygiene  

Binden, Tampons und Slipeinlagen kosten Geld und landen nach Gebrauch im Müll. Eine bessere Variante für die Tage der Tage ist ein Ladies Cup. Das ist ein kleines Behältnis aus Silikon, welches man ähnlich benutzt wie einen Tampon, allerdings kann man es ausleeren, säubern und dann wiederverwenden. Je nach Hersteller kosten diese zwar zwischen 10 – 30 Euro, können allerdings auch viele Jahre genutzt werden und holen die Investition schnell wieder rein.

  • Jeden Tag eine gute Tat

Seid aufmerksam und hilfsbereit und starrt nicht ständig auf das Smartphone. Es reicht, wenn Ihr einem Blinden über die Straße helft, einer alten Dame Euren Sitzplatz in der Bahn anbietet oder den Straßenmusiker mit einem Euro belohnt. Versucht jeden Tag eine gute Tat in Euren Alltag einzubauen und Ihr werdet ein glücklicheres und zufriedeneres Leben führen.

  • Tuben nach Gebrauch aufschneiden

Keine Tube der Welt – sei es Creme, Makeup oder Zahnpasta – lässt sich vollständig entleeren. Schneidet sie daher einfach auf, wenn Ihr nichts mehr heraus bekommt. Ihr werdet erstaunt sein, wie lange ihr das Produkt tatsächlich noch verwenden könnt. Um die Reste aus Shampoo- oder Seifenflaschen zu bekommen, reicht ein kleiner Klecks Wasser. Schließlich habt Ihr es ja auch bezahlt.

  • Keine Reinigungsmittel kaufen

Als Entkalker eignet sich prima Zitronensaft. Scheuermilch kann man hervorragend durch Natron ersetzen. Gegen verstopfte Rohre hilft Cola. Diese Hausmittelchen sind umweltverträglich und schonen den Geldbeutel. Wir müssen nicht noch mehr Chemie in unser Wasser kippen, als wir es ohnehin tun.

  • Natürliche Körperhygiene

Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, da wir verwöhnt wurden von Cremeduschen, die ein seidig-weiches Hautgefühl auf unserem Körper hinterlassen. Gesünder hingegen ist die Körperpflege mit Naturwaschseifen für Körper und Haare. Diese hinterlassen keinen angenehmen Duft und machen Haut und Haare nach der Dusche etwas quietschig, haben jedoch auch keine Plastikverpackung und keine unnötigen Inhaltsstoffe. Probiert es ruhig einmal aus!

Man braucht auch keine teuren Cremes für strahlend schöne Haut. Gerade jetzt in der Schwangerschaft reibe ich meinen Bauch täglich mit Kokosöl ein. Ganz Hartgesottene können sogar ihre eigene Zahnpasta aus Kokosöl, Minze, Xylit und etwas Natron herstellen. Werdet kreativ!

  • Lasst Euch beschenken!

gift-548293_640Es klingt banal, aber wie viele Leute da draußen wünschen sich an Weihnachten oder zum Geburtstag gar nichts, weil sie sich alles schon selbst gekauft haben? Bei mir gibt es immer Dinge, die ich mir schenken lassen kann, weil ich vorher immer dreimal überlege, ob ich mir den Wunschartikel auch wirklich leisten will. So schnell wirkt man dem Kauf von sinnlosem Mist an den Festtagen entgegen – und vermindert wieder unnötigen Konsum.

 

Ihr seht: Es gibt wirklich unzählige kleine und banale Dinge, die einen riesen Effekt hätten, würde sie der Großteil der Menschen so umsetzen. Nutzt den Beitrag als Inspiration – ich würde mich freuen!

 

Eure Kietzemaze

 

Bildquellen:

https://pixabay.com/de/geschenk-p%C3%A4ckchen-%C3%BCberraschung-548293/

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Die Welt ein Stück besser machen

Ich beschäftige mich viel mit Politik – und werde regelmäßig wütend dabei. Wir atmen schmutzige Luft, verunreinigen unser Wasser, beuten Rohstoffe aus, haben Chemie in unserem Essen und das alles scheint politisch auch so gewollt oder zumindest geduldet. Der „Fortschritt“ hat einen hohen Preis. Die jetzige Generation mag es noch gut haben, aber wie sieht es mit den kommenden aus? Dann, wenn die meisten Rohstoffe aufgebraucht sind, das Wasser privatisiert wird und die Schadstoffbelastung durch noch dichteren Verkehr weiter zunimmt?

Ich höre die Leute oft sagen, dass sie die Welt weder besser noch schlechter machen, wenn sie mit dem Auto zum Bäcker fahren oder eben nicht. Man könne die Welt nicht retten. Das wäre auch ein sehr hoher Anspruch. Was ist denn, wenn wir anfangen, unseren Alltag zu reflektieren und bei uns selbst beginnen? So zu leben, dass wir es vor uns selbst verantworten können? Es gibt so viele kleine Dinge, die man tun kann, um eben die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Lasst mich ein paar davon aufzählen:

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  • Mahlzeiten planen

Wer zumindest ein paar Gerichte für die Woche plant, kann zielgerichteter einkaufen und läuft daher weniger Gefahr, Lebensmittel weg zu werfen, die man nicht gebraucht hat.

  • Selbst anbauen

Das geht auch in einer kleinen Mietwohnung, wenn man eine Gartenfläche mitbenutzen kann oder einen Balkon hat. Tomaten, Erdbeeren oder Kräuter sind beispielsweise Dinge, die man sich auch mit wenig Platz gut ziehen kann. Ihr werdet den Unterschied schmecken und wisst, dass in diesen Lebensmittel keine Chemie in Form von Pestiziden oder Ähnlichem zu finden ist. Kleiner Tipp: Auch Lebensmittelreste wie beispielweise das Endstück einer Möhre oder einer Lauchzwiebel kann man wieder einpflanzen und zum Nachwachsen animieren.

  • Das Auto stehen lassen

Ich habe schon seit ewigen Zeiten einen Führerschein, ein Auto hatte ich jedoch nur für ein paar Monate. Wer Fahrrad fährt oder kurze Wege läuft, tut ewas für die Gesundheit und für die Umwelt. Auch die Nutzung von Sraßenbahnen oder Mitfahrgelegenheiten ist schonender für die Umwelt und das Gewissen.

  • Mehrwegtaschen oder Stoffbeutel verwenden

Um Plastikmüll zu reduzieren, hilft es schon, zum Einkaufen Mehrwegtaschen oder Stoffbeutel zu verwenden. Die sind zum einen robuster und Ihr spart Euch das Geld für Plastiktüten. Solltet Ihr spontan im Supermarkt sein und keinen Beutel dabei haben, könnt Ihr Euch auch einen leeren Pappkarton in den Regalen suchen und diesen verwenden. Ich bin bisher immer fündig geworden!

  • Strom sparen

Ein banaler Tipp, aber ich kenne unheimlich viele Leute, die während dem Sport daheim das Radio angeschaltet haben, während im Wohnzimmer der Fernseher läuft. Oder Menschen, die regelrecht eine Festtagsbeleuchtung angeschaltet haben, obwohl sie sich nur in einem Raum aufhalten und dort beispielsweise beim Film sehen gar kein solches benötigen. Achtet darauf, dass Ihr diejenigen Geräte aus schaltet, die Ihr gerade eh nicht aktiv nutzt oder benötigt. Simpel, aber effektiv.

  • Heizkosten senken

Gerade das Heizen belastet die Umwelt und schmälert die Ressourcen. Ich bin ein Mensch, der es gerne warm hat – aber eben nur wenn ich daheim bin. Wenn ich schlafe oder auf Arbeit bin, seh ich keinen Grund, konstante 25 Grad in meinen Räumen zu halten. Im Winter lasse ich meine Heizung meist auf Stufe 1,5 – 2 (schon um der Schimmelbildung vorzubeugen) und drehe erst am Wochenende die Heizung höher – und das auch nur in den Räumen, in denen ich mich auch aufhalte. Sollte mir sonst zum Feierabend kalt werden, kuschle ich mich in meine Decke.

  • Duschen statt Baden

Duschen verbraucht ca. 50 Liter weniger als Baden – wenn das reicht. Und mal ehrlich: es muss auch nicht täglich sein. Unsere Großeltern kennen das noch. An kalten Wintertagen im kuschelig warmen Büro, in dem man körperlich nichts tut außer sitzen, ist tägliches Duschen nicht notwendig. Das heißt nicht, dass man seine Körperpflege vernächlässigen sollte – man kann sich auch anderweitig waschen.

  • Fegen statt Staubsaugen

Heute, wo Auslegware out geworden ist und viele Laminat- oder Parkettfußboden haben, muss man nicht zum Staubsauger greifen, sondern kann auch einfach mal fegen. Das spart Strom und man belästigt seine Nachbarn nicht. Wöchentliches Wischen ist auch nicht notwendig, wenn man seine Wohnung grundsätzlich sauber hält.

  • Wäsche lufttocknen

Wäschetrockner sind eine der Erfindungen, die eigentlich kein Mensch braucht, aber die uns Zeit sparen sollen. Dafür haben sie ihren Preis – gegenüber der Umwelt und dem Geldbeutel. Hängt die Wäsche lieber raus, sofern es Euch möglich ist.

  • Unternehmen unter die Lupe nehmen

Vieles ist so selbstverständlich, dass man es gar nicht hinterfragt, aber man konsumiert überraschend viele Marken, hinter denen äußerst fragwürdige Firmen stehen. Ich war zum Beispiel schockiert darüber, dass hinter der Babymarke „Bübchen“ die Nestle Deutschland AG steckt, die bekanntlich ein sehr schlechtes Image hat. Oder darüber, dass ein Kontaktlinsenversandhandel auch Geschäfte mit Nordamerikas größtem Waffenhersteller unterhält. Vielleicht lohnt sich mal ein Blick auf die Dinge, die man so alltäglich verwendet – und lässt sie zukünftig stehen. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für Banken, die man schon fast alle über einen Kamm scheren kann. Die GLS Bank hingegen unterstützt keine Atomkraftwerke und finanziert auch nicht die Rüstungsindustrie. Man kann sogar wählen, wofür das angelegte Geld genutzt wird – beispielsweise für die ökologische Landwirtschaft.

Wie Ihr seht schonen die aufgezählten Dinge nicht nur unsere Ressourcen sondern auch noch den Geldbeutel. Ich könnte bestimmt noch 20 weitere und unkonventionellere Tipps aufzählen, aber wenn man auf die genannten achtet, ist schon ein Menge getan.

 

Habt Ihr noch einen Ratschlag, den Ihr nicht vergessen haben wollt? Schreibt es gern in die Kommentare!

 

Eure Kietzemaze

 

Bildquelle: https://pixabay.com/de/umweltschutz-naturschutz-%C3%B6kologie-326923/

 

 

 

Ein kleiner großer Umschwung

Auf meinem Blog ist es etwas ruhiger geworden, als es letztes Jahr noch der Fall war. Mittlerweile veröffentliche ich nur noch aller paar Wochen einen neuen Beitrag und das hat einen guten Grund. Mein Leben wird nämlich gerade ein bisschen auf den Kopf gestellt, denn ich bin jetzt in der 12. Woche schwanger.

 

Ich möchte hier gleich festhalten, dass die Thematik auf diesem Blog die Gleiche bleiben wird: Alles rund um Persönlichkeitsentwicklung. Das soll kein Mutti-Blog werden mit Schwangerschaftsupdates, süßen Stramplern und „How to style my bump“-Videos.

 

Aber ich werde unter anderem darüber berichten, was sich an mir und meinem Leben verändert und zukünftig verändern wird. Ich muss dazu sagen, dass ich niemals Kinder wollte, auch wenn der kleine Wurm in meinem Bauch ein Wunschkind ist (Mein Onkel hätte dazu gesagt: „Es muss eben einfach mal der Richtige kommen!“). Ich bin auch sonst nicht sonderlich kinderlieb und finde die meisten verzogenen Gören da draußen nach wie vor unerträglich. Man könnte mich sogar einen „Kinderschreck“ schimpfen. Dennoch könnte ich mir gerade nichts Schöneres vorstellen, als schwanger zu sein und sich um ein neues Leben zu sorgen bzw. zu kümmern.

 

Mit Bekanntwerden der Schwangerschaft hat sich bei mir regelreicht ein Schalter umgelegt. Zentrales Thema ist für mich gerade das Baby. Und das bedeutet natürlich auch, dass man sich weniger mit Selbstoptimierung, Coachings und „Wie komme ich in meinem Leben am schnellsten zu Glück und Erfolg?“ beschäftigt. Das eigene Ich tritt eindeutig einen Schritt zurück und das ist wieder eine ganz andere und neue Herausforderung.
Dafür hinterfragt man seine eigenen Wertvorstellungen. Welche habe ich überhaupt – welche davon sind gut und welche nicht? Was will man unbedingt weiter geben?
Man wird sich bewusst, dass jede Entscheidung, die man trifft, weitreichendere Konsequenzen hat als die Entscheidungen 26 Jahre zuvor. Zudem macht man als Frau nochmal eine neue Pubertät im Zeitraffer durch: Man ist launisch, der Körper verändert sich, man weiß nicht immer, wie man mit der Situation umgehen soll, auch wenn man sich die allermeiste Zeit auf das freut, was da kommt.

 

Die Persönlichkeitsentwicklung bekommt kurzum einen ganz anderen Fokus. Man entdeckt Themen und Nischen, an die man zu vor noch nicht gedacht hat. Freut euch also auf ganz neue Perspektiven und erfrischend neue Aspekte in diesem Blog!

 

Eure Kietzemaze

 

Was man von Blinden lernen kann

adult-1867719_640Ich fahre morgens mit der Straßenbahn zur Arbeit und fast täglich steigt auch eine Blinde aus meinem Wohnviertel mit ein. Sie findet sich gemeinhin ganz gut zurecht, nur an der Kreuzung hat sie oft Probleme, da sie eine stark befahrene Straße überqueren muss und die vielen Geräusche offenbar nicht zuordnen kann.

Ich habe die Frau immer für recht verbittert gehalten, da ihre Mimik sehr streng aussieht. Als es neulich geschneit hatte, irrte sie ziellos umher, da sie durch den Schnee mit ihrem Blindenstock keine Kanten und Ähnliches ertasten konnte. Da ich wusste, dass sie den Weg zur Straßenbahn suchte, habe ich sie einfach angesprochen und sie über die Straße geleitet.

Wider Erwarten war sie sehr nett und gesprächig. Sie erzählte mir zum Beispiel, dass sie von Geburt an blind wäre und sie daher nicht vermisst, was sie nicht kennt. Und dass sie zu einem Vortrag gegangen wäre, in dem es hieß: „Sie haben jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie ziehen sich deprimiert in Ihre Wohnung zurück und verlassen das Haus nicht mehr oder Sie versuchen, sich im Leben zurecht zu finden.“ Die Blinde teilte mir mit, dass sie es erst einmal mit der letzteren Variante versuchen wollte.

Ich habe schon oft gehört, dass gerade Menschen mit einem Handicap in jedweder Form zu schätzen wissen, was für die meisten selbstverständlich ist. Wie oft begegnen uns Leute, die sich den ganzen Tag nur aufregen und rumärgern und klagen, wie furchtbar das Leben doch ist. Und wie viele Menschen da draußen bemitleiden sich lieber selbst, statt zu sagen: „Ich mache jetzt das Beste aus der Situation und versuche zurecht zu kommen“?

Hut ab, vor der blinden Frau, die sogar am völlig überfüllten Hauptbahnhof umsteigt. Hut ab vor dem blinden Mann, der im Aldi einkaufen geht. Das sind hervorragende Beispiele von Menschen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen und gestalten wollen, statt verbittert daheim im Sessel zu hocken.

Aus so einer Erfahrung schöpft man selbst wieder mehr Kraft, um den Alltag zu bewältigen und startet mit dem Gefühl in den Tag, etwas Gutes vollbracht und jemanden geholfen zu haben.

Seid aufmerksam. Helft anderen.

 

Eure Kietzemaze

 

Bildquelle: https://pixabay.com/de/erwachsene-blind-foldete-k%C3%B6rper-1867719/

Ohne Worte – Was andere über dich denken

Thorsten Havener ist vielen Menschen ein Begriff. Ob als Entertainer auf der Bühne, als Buchautor oder als Mentalist im Fernsehen – es gibt zahlreiche Kanäle, über den man diesen faszinierenden Mann finden kann.

Havener beschäftigt sich besonders in seinen Büchern gern mit Körpersprache. Wer seine Auftritte kennt, weiß, dass wohl ein guter Teil Illusion und Zauberkunst hinter seiner Show steckt und nicht die reine Analyse von Körperhaltung und Mimiken sein Rezept zum Erfolg ist. Dennoch beweist er in seinen Büchern, dass er eins ganz besonders gut kann: Beobachten. Und davon können sich die meisten Leser etwas abschneiden, leben wir doch in einer Welt, wo unser Smartphone der beste Freund ist und wir nur noch von A nach B hetzen. Wir nehmen uns viel zu wenig Zeit für unsere Umgebung.

havenerThorsten Havener setzt auch in seinem Buch „Ohne Worte – Was andere über dich denken“ auf die Körpersprache. Der Unterhaltungswert von der Bühne fließt dabei auch in seine Bücher ein. Der dünne Band lässt sich sehr einfach und flüssig lesen. Mir ging es dabei so, dass man unwillkürlich mehr auf sich und die Körpersprache seines Gegenübers achtet. Anfängt, zu analysieren und zu interpretieren. Und das geht überall. Im Wartezimmer beim Arzt, in der Straßenbahn, in langweiligen Meetings. Auch Havener scheint sich in Cafes gerne ein Spaß daraus zu machen, andere Menschen zu „lesen“:

„Meine Bestellung habe ich noch nicht aufgegeben, schon scannen meine Augen meine Umgebung, ich habe mit meiner Arbeit begonnen: rechts von mir ein Paar, Anfang, Mitte dreißig. Die beiden kennen sich noch nicht lange, das sieht man an der Art, wie sie sich neugierig betrachten, wie vorsichtig sie sich annähern. Die junge Frau mustert nicht nur seine Hände, mit denen er sein Weinglas hält, sondern checkt auch immer wieder seinen Blickkontakt, indem sie ihn direkt ansieht. Nirgendwo ein Anzeichen von Kritik, keine Mundwinkel, die nach unten gehen, ihr scheint zu gefallen, was ihr da gegenüber sitzt. Der Mann wagt nicht, auf ihr Dekolleté zu schauen, obwohl sie wirklich was zu bieten hat. Nichts will er falsch machen, auf keinen Fall will er irgendwas bei ihr vermasseln. Solch einer Frau begegnet man nicht alle Tage. Noch sind sie nicht zusammen. Aber das könnte sich nach diesem Abend ändern.“ (Seite 97)

Die Frage, was andere über dich denken, hat Havener in meinen Augen nicht beantwortet. An manchen Stellen erzählt er mir auch zu viel von seinen eigenen Auftritten und Erlebnissen, die zwar interessant sind, aber den Lesern keinen wirklichen Mehrwert bieten. Für mich fällt das Buch in die Kategorie „Unterhaltung mit Lerneffekt ganz nebenbei“.

Pro

  • sehr einfach und verständlich geschrieben
  • viele praxisnahe Fallbeispiele
  • am Ende des Buchs gibt es eine Kurzübersicht zu jedem Körperteil und wie es unsere Körpersprache beeinflusst
  • Lerneffekt ganz nebenbei

Contra

  • eher zur Unterhaltung geeignet
  • Kapitelaufbau etwas durcheinander

Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag

ISBN: 978 3 499 62865 8

Umfang: 272 Seiten

Tipp: Unbedingt live erleben!

 

Bildquelle: https://www.amazon.de/Ohne-Worte-andere-%C3%BCber-denken/dp/3499628651/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1484337001&sr=1-1&keywords=thorsten+havener+ohne+worte

Soziales Projekt: Weihnachten mit Pflegebedürftigen

Mein ursprünglicher Plan war es, eine Teilzeitstelle anzunehmen, um mehr Platz für meine Hobbys, meine Mitmenschen und meinen Blog zu haben. Unter anderem hatte ich mir auch vorgenommen, in der gewonnenen Zeit mehr für die Gemeinschaft zu tun und sozial tätig zu werden. Leider läuft im Leben nicht immer alles nach Plan. Heute arbeite ich Vollzeit und bewältige nebenbei noch ein Fernstudium. Folglich ist da wenig Platz für andere Dinge – aus dem sozialen Engagement wurde bisher nichts.

Umso schöner, dass uns mein Arbeitgeber in der Vorweihnachtszeit  die Möglichkeit gegeben hat, sich sozial zu engagieren. Neben einem Weihnachtsnachmittag mit Flüchtlingen stand auch ein Weihnachtsmarktbesuch mit Pflegebedürftigen (im Rollstuhl) zur Wahl. Da ich mir selber im Oktober das Sprunggelenk gebrochen hatte und zwei Tage lang auf einen Rollstuhl angewiesen war, entschied ich mich dafür, mich am letztgenannten Projekt zu beteiligen und der Gesellschaft ein bisschen was zurück zu geben.hospice-1797305_640

Zusammen mit vier weiteren Kollegen unterstützten wir den Matthäistift in Leipzig. Da ich noch nie ein Pflege- bzw. Altenheim von innen gesehen hatte, haben mich die ersten Eindrücke ein wenig erschreckt. Man hält sich selbst und seine Zimperlein immer für so wichtig, dabei gibt es Menschen, die ohne Unterstützung weder gehen noch essen können. An dieser Stelle ziehe ich den Hut vor allen Menschen, die täglich in der Pflege oder in Krankenhäusern arbeiten und sich um die Menschen kümmern, die es am nötigsten brauchen!

Ich betreute einen älteren Herren, der im Geiste noch sehr fit und äußerst humorvoll war. Die erste Hürde war das Fahren in der Straßenbahn. Da ich generell zur Tollpatschigkeit neige, habe ich mich mit dem Rollstuhl auch nicht wirklich geschickt angestellt, habe den Herrn jedoch unfallfrei in die Straßenbahn hinein und wieder heraus bekommen (Gott sei Dank).

Am Anfang fühlte ich mich recht gestresst, da ich zum einen den zu betreuenden Herren nicht kannte und mir zum anderen völlig die Erfahrung mit Situationen wie dieser fehlte. Mit der Zeit entspannte ich mich jedoch. In unserer Gruppe waren Leute dabei, die seit 10 Jahren auf keinem Weihnachtsmarkt mehr waren und auch sonst nur sehr selten raus kamen. Sie freuten sich wirklich über alles – den leckeren Glühwein und die Cremewaffeln, die bunten Karussells, die handgemachte Weihnachtsdekoration und sogar über das Schaf am Weihnachtsbaum. Dick in Decken eingekuschelt, ließen sie sich von uns durch jeden noch so entfernten Winkel des Weihnachtsmarkts schieben. Da das alles natürlich etwas mehr Zeit braucht als normalerweise, hat man mal wieder gemerkt, wie entschleunigt man doch leben könnte statt ständig von A nach B zu hetzen.

Nach 2,5 Stunden fuhren wir wieder in den Stift zurück und ich sage Euch eins: diese Freude und Dankbarkeit, die uns als Resümee des Nachmittags entgegen schlug, ist unbezahlbar. Trotz der erschreckenden Bilder am Anfang und der Strapazen auf dem Weihnachtsmarkt selbst (es ist gar nicht so einfach 2,5 Stunden einen Rollstuhl über Kopfsteinpflaster zu schieben!), haben wir mit einem guten Gefühl das Heim verlassen und sind zu unserer anschließenden Weihnachtsfeier gefahren.

Ich wünsche allen – und besonders den Pflegebedürftigen, die zur Weihnachtszeit keinen Besuch zu erwarten hatten – noch ein paar schöne letzte Tage im Jahr 2016 und einen guten Rutsch!

 

Eure Kietzemaze

 

Bildquelle: https://pixabay.com/de/hospiz-pflege-krankenpflege-1797305/

Danksagung

Ich habe es hinter mir: meine Krücken bin ich los und darf wieder laufen. Ihr glaubt nicht, wie erleichternd das ist. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie aufmerksam plötzlich die Menschen sind, wenn man ein solches Handicap hat. Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen, mich bei ein paar von ihnen zu bedanken.

  • In erster Linie danke ich meinem Freund, der mir sogar die Tür geöffnet und das Licht angemacht hat, wenn ich Pipi gehen wollte. Der viel zu gut dafür gesorgt hat, dass ich nicht verhungern und auch nicht kochen musste. Der mich dabei unterstützt hat, nicht zu verwahrlosen in meiner Wohnung, da sich der Hausputz doch recht schwierig gestaltet hat. Der jeden Morgen mit mir aufgestanden ist, um zu wissen, ob ich auf Arbeit gehe und mit mir gebangt hat, den Weg bis dahin gut zu überstehen. Und der maßgeblich dazu beigetragen hat, ein drohendes Stimmungstief abzuwenden.
  • Ich danke meinem Ex-Freund, der mich trotz erschwerten emotionalen Bedingungen ins Klinikum gefahren und mir meine Medikamente aus der Apotheke geholt hat. Und mich hin und wieder zur Arbeit gefahren und kleine Einkäufe für mich erledigt hat.
  • Dank gebührt auch meiner Chefin und meiner Kollegin, die mich immer mit Getränken versorgt und auch mein Geschirr wieder weg geräumt haben.
  • Herzlichen Dank auch an meinen Nachbarn, der mir die Gehhilfe wieder hoch gebracht hat, die ich auf der Treppe verloren hatte und der dann nicht mehr von meiner Seite wich, bis ich es in die Haustür geschafft habe.
  • Danken möchte ich auch den vielen Menschen, die in der Straßenbahn ihren Platz für mich geopfert haben sowie der Punkerin, die noch so gut war, mir mein Ticket zu entwerten.
  • Ein Dankeschön gebührt auch dem Herren an einer Bank, auf der ich mich niederließ und dabei mein Handy verlor. Er war selber schon älter, aber hat es mir mit den Worten: „Sie können sich gerade schlechter bewegen als ich“, wieder aufgehoben.

Man merkt erst, wie wertvoll die selbstverständlichen Dinge sind, wenn man sie nicht mehr hat…

 

Eure Kietzemaze